Gelbe Enzianwurzel, geschnitten
aus kontrolliert biologischem Anbau aus EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft (DE-ÖKO 039)
Synonyme:
Gentianae Radix, Gentiana Lutea L., Enzian, Bitterwurzel, Fieberwurzel, Bergfieberwurzel, Sauwurz, Gelber Enzian, Jäuse, Zergang, Zinzalwurzel, Jänzene
Teeaufguss:
1 Teelöffel Enzianwurzel mit ca. 1/4 l siedendem Wasser übergießen und 5 Minuten kochen, danach abseihen.
Sicherheitshinweis:
Immer mit kochendem Wasser aufgießen und mindestens 5 Minuten ziehen lassen. Nur so erhalten Sie ein sicheres Lebensmittel.
Vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahren.
Bitte beachten:
Da es sich um ein Naturprodukt handelt, kann die Abbildung vom gelieferten Produkt abweichen.
Geschmack und Einordnung
Enzianwurzel gehört zu den Kräutern, die man in der Teeküche nicht nach Menge, sondern nach Charakter dosiert. Schon kleine Anteile prägen den Aufguss mit einer klaren, kräftigen Bitterkeit, die lange am Gaumen bleibt. Dazu kommen erdige, wurzelige Noten und ein trockener, sehr aufgeräumter Nachhall, der besonders in Mischungen als strukturgebender Gegenpol zu Blüten und Blättern geschätzt wird.
Als Solokraut wirkt Enzianwurzel kompromisslos und konzentriert, in Mischungen dagegen oft wie ein bitteres Rückgrat. Sie passt gut zu aromatischen Samen und warmen Gewürznoten, aber auch zu zitrisch frischen oder krautig herben Begleitern, wenn eine Rezeptur nicht nur duften, sondern auch ein klares Profil zeigen soll.
Herkunft und Hintergrund
Unter dem Namen Gentianae radix wird traditionell die Wurzel verschiedener Enzian Arten geführt, im Mittelpunkt steht dabei der Gelbe Enzian. Die Pflanze ist eine ausdauernde Gebirgsstaude, die auf Bergwiesen und in alpinen Lagen wächst und dort über Jahre hinweg eine kräftige Speicherwurzel ausbildet. Genau diese langsame Entwicklung macht die Wurzel so markant und erklärt, warum sie im Handel als wertvoller Rohstoff gilt.
Botanisch gehört Enzian zu den Enziangewächsen. Der Gelbe Enzian fällt durch seine stattliche Erscheinung und gelbe Blütenstände auf, ganz anders als die bekannten kleineren, blau blühenden Enziane. Für die Wurzelware ist nicht die Blüte entscheidend, sondern der unterirdische Teil, also Wurzel und Wurzelstock, die nach der Ernte gereinigt, zerkleinert und schonend getrocknet werden. So entsteht die typisch geschnittene oder grob zerteilte Ware, die in Aufgüssen ihre Bitterkeit besonders deutlich zeigt.
Historisch ist Enzianwurzel eng mit der europäischen Kräuterkultur verbunden. In Klostertraditionen, Hausrezepturen und später auch in der Getränke und Genusskultur taucht Enzian immer wieder als Bittergeber auf. Bittere Wurzeln hatten dabei weniger den Status eines Gewürzes, sondern standen für einen bewusst herben Geschmack, der in Mischungen einordnen kann, was sonst leicht ins Süßliche oder Blumige kippt.
Auch die Handelsgeschichte ist eng mit dem Gebirge verknüpft. Wo Enzian natürlicherweise wächst, wurde die Wurzel über lange Zeit gesammelt und regional verarbeitet. Gleichzeitig ist das Ausgraben mehrjähriger Wurzeln ein Eingriff, der Bestände belasten kann. Deshalb stammt Handelsware heute vielfach aus kontrolliertem Anbau oder aus streng geregelten Sammelgebieten, je nach Herkunft und regionalen Vorgaben.
Inhaltsstofflich ist Enzianwurzel vor allem durch Bitterstoffe geprägt, besonders aus der Gruppe der Secoiridoide. Begleitend werden unter anderem Xanthone sowie Kohlenhydrate beschrieben. Für den sensorischen Eindruck bedeutet das vor allem eines: Enzian ist kein subtiler Mitläufer, sondern ein klarer Ton in der Rezeptur, der Tiefe und Kontur bringt, wenn er passend eingesetzt wird.
Im Alltag der Teeküche ist Enzianwurzel daher vor allem ein Werkzeug für Profil und Balance. Wer herbe, strukturierte Aufgüsse mag, findet hier ein Kraut mit Traditionslinie und unverwechselbarer Handschrift, vorausgesetzt, man gibt ihm den Raum, den eine Bitterwurzel verdient.
Mythen und Geschichten
Schon der Name trägt Geschichte in sich. In der Überlieferung wird die Gattung Gentiana mit König Gentius in Verbindung gebracht, einem Herrscher aus dem illyrischen Raum. Ob Legende oder Namenspatron, die Erzählung zeigt, wie früh Enzian als besondere Gebirgspflanze wahrgenommen wurde und wie stark sich botanische Benennungen manchmal an kulturhistorische Figuren anlehnen.
Mindestens genauso lebendig ist Enzian in der Alpenkultur selbst. Die Wurzel ist seit Jahrhunderten Teil regionaler Genuss Traditionen, besonders in Form bitterer Spirituosen und Liköre, die eng mit Handwerk, Brauchtum und Herkunft verknüpft sind. So wurde aus einer Gebirgspflanze ein kulinarisches Erkennungszeichen, das bis heute für alpines Handwerk steht, unabhängig davon, ob man Enzian im Glas oder als Tee erlebt.
Teemischungen nach Roland Draht
Die Teemischungen nach Roland Draht sind als System gedacht, das Rezepturen thematisch bündelt und dabei mit klaren Kräuterrollen arbeitet. Manche Zutaten geben Duft und Rundung, andere setzen Struktur, und wieder andere markieren den Schwerpunkt einer Mischung. Enzianwurzel gehört zu den Kräutern, die in solchen Rezepturen nicht beiläufig eingesetzt werden, sondern ein Profil eindeutig definieren.
Im Themenfeld Bitterstoffe und Wurzelnoten taucht Enzianwurzel als prägender Bestandteil auf. In den vorliegenden Zuordnungen ist sie in Tee Nr. 76 geführt und bildet dort den deutlichen Hauptanteil. Das ist typisch für eine Bitterwurzel, die nicht über viele Begleiter erklärt werden muss, sondern über Klarheit, Konzentration und den bewussten Einsatz.
Ein zweiter Blickwinkel ist das Themenfeld Rezeptur Balance. Gerade weil Enzianwurzel so konsequent bitter ist, kann sie in Mischungen als Gegenpol zu weicheren Kräutern dienen, ohne dass dafür viele Gramm nötig wären. Biologisch passt dazu ihr Bitterstoff Profil aus Secoiridoiden, ergänzt durch weitere Begleitstoffe, die den charakteristischen Wurzelton stützen und den Aufguss aromatisch festigen, ohne dass daraus ein Nutzenversprechen abgeleitet werden muss.
Qualität bei Kräuter & Wege
Damit eine Wurzel wie Enzian ihr typisches Profil behält, zählen saubere Verarbeitung und Sorgfalt bei jedem Schritt. Bei uns wird in kleinen Chargen gearbeitet, die Ware wird geprüft, von Hand abgefüllt und aromaschonend verpackt. So bleiben Schnittbild, Duft und die charakteristische Bitterkeit stabil, auch wenn Naturprodukte von Ernte zu Ernte leicht variieren können.
Wir achten auf eine lichtgeschützte, sauber etikettierte Verpackung und einen sicheren Versand, damit das Kraut in guter Qualität bei Ihnen ankommt. Für die Tasse selbst gilt außerdem: Besonders ausgewogen wird Tee oft mit gutem Wasser. Passend dazu führen wir auch Produkte rund um Wasserbelebung, wenn Sie Ihre Teequalität ganzheitlich betrachten möchten.
Wichtiger Hinweis: Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information über Lebensmittel und deren traditionelle Verwendung. Es handelt sich nicht um Heilaussagen im Sinne des Heilmittelwerbegesetzes (HWG) und nicht um gesundheitsbezogene Angaben gemäß der EU-Health-Claims-Verordnung (VO (EG) Nr. 1924/2006). Die beschriebenen Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Heilberufler.



